Von Eierschalenläufern und exzessiven Entschuldigungen

Wie wunderbar sind doch Empathie, Rücksichtnahme, Wertschätzung etc. im Alltag. Fantastische Eigenschaften und absolut wertvoll zu kultivieren.

Bis es zu einem Punkt kommt, an dem Menschen zu Eierschalenläufern mutieren. Sie entschuldigen sich dauernd wegen allem was sie tun, denken, sagen, fühlen, andere fühlen könnten, ja, sogar für ihre blosse Existenz! Dann hörst du, wie furchtbar sie sich fühlen, wie unerträglich und schrecklich das ist, was sie dir antun (Banalitäten wie Kaffee trinken gehen absagen oder so…). Obwohl du ständig beteuerst dass alles gut ist. Das alles bekommst du dann hübsch verpackt als Geschenk überreicht und fühlst dich deswegen auch noch miserabel, weil dein Gegenüber sich ja miserabel fühlt und alles überhaupt auf einmal so miserabel ist.

Was ist passiert?

Eigentlich ist es eine unkomplizierte Situation. Du sagst ab, für den anderen ist es ok – erledigt. Wenn etwas mehr dranhängt oder es für den anderen nicht ok ist, kannst du dich entschuldigen / es wieder gut machen – erledigt. Wenn das Gegenüber immer wieder drauf rumreitet oder es immer noch nicht ok ist, ja dann, ’sorry‘ – ist nun mal so. Wenn jemand ein Problem mit meinem Verhalten hat, ist es genau das – sein Problem und nicht meins. Wenn ich etwas verbockt habe, entschuldige ich mich. Wenn dem nicht so ist, sehe ich keinen Grund mich für etwas zu entschuldigen, das ich gar nicht anders hätte machen können oder wollen.

Womit ich ein Thema habe ist, wenn ich eine andere Person ständig und immer wieder irgendwie ‚aufbauen‘ muss für seine eigens getroffenen Entscheidungen und vor allem noch permanent beteuern muss dass doch alles ok ist und in die Situation gebracht werde, mich irgendwie schuldig für sein Leid zu fühlen obwohl ich nichts damit zu tun habe. Durch dieses Verhalten gerätst du schnell in einen Zugzwang und befindest dich in einem falschen Film. Glückwunsch!

Anstatt deine Kraft an absolut unangemessenen, übertriebenen, schwächenden Selbstbeschränkungen zu verschleudern, triff eine Entscheidung, übernimm die Verantwortung für dein Verhalten und steh dazu. Vor allem hör auf, auf Eierschalen zu wandern, und dich unaufhörlich so zu verhalten wie wenn du keine Daseinsberechtigung hast. Verantwortung für deine Entscheidungen abgeben, dadurch dich und andere erbärmlich fühlen lassen, eine Art Absolution vom anderen erwarten ist wie immer absolutes no-go.

Vielleicht stäken diese Verhaltensweisen die selbsterfüllenden Prophezeiungen (aus lauter Angst dir auf die Nerven zu gehen, sich dafür zu entschuldigen dass sie dich bestimmt nerven, trifft eben genau das ein). Vielleicht ist es schlicht und einfach Gewohnheit, sicherlich mangelndes Selbstbewusstsein, Harmoniesucht, seltsame Art von Perfektionismus, möglicherweise Unterwürfigkeit, manchmal ist es sicherlich auch berechnend…

Wie dem auch sei. Das Leben ist zu kurz für so einen Mist. Lebe dein Leben wie du es möchtest, mach einfach dein Ding. Egal was du tust, irgendjemand wird immer etwas auszusetzen haben. Was solls? Du bist genug. Punkt.

Passend zu diesem Thema gibt es einleuchtende Illustrationen von der Künstlerin Yao Xiao.

Möge die Macht mit euch sein ❤

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5 Gedanken zu “Von Eierschalenläufern und exzessiven Entschuldigungen

  1. Gar nicht so einfach, das selbst umzusetzen, manchmal ertappe ich mich ja selbst… Da kommt dann die Prägung aus alten Erfahrungen wieder durch! Trotzdem, ich bemühe mich, denn es ist wirklich nur Energieverlust – für beide Seiten! Danke für den Beitrag 🙂

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  2. Hallo! So wie du die Situation beschreibst, geht es da meiner Ansicht nach ganz klar um Energieraub. Die ach so „arme leidende“ Person zieht dir mit ihrem Verhalten Energie ab, deswegen geht es dir danach auch kake. Opfer-Täter-Retter Rollenspiele sind immer Energiesauger-Spiele. Wie du richtig schreibst, kannst du das nur durchbrechen, indem du nicht mitspielst und aus dem „Drama“ aussteigst bzw. die andere Person darauf klar ansprichst. Herzensgrüße, Nicole

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    1. Liebe Nicole, da haste allerdings Recht!! Diese Spielchen sind tatsächlich anstrengend. Was für mich schwierig ist in der Situation achtsam zu bleiben, dies ‚rechtzeitig‘ zu erkennen um auszusteigen bevor man weiss was mit einem passiert ist 😉 Ganz liebe Grüsse, Feraye

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      1. Liebe Feraye, ja das ist schwierig, ich schaffe es auch nicht immer, aber das ist eine Kunst, in der wir uns üben dürfen. Bewusstheit ist der Schlüssel, auch wenn es einem erst „danach“ klar wird, hat man für das nächste mal schon wieder dazu gelernt. Wie heißt es so passend: Übung macht den Meister ❤ Herzensgrüße v. Nicole

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