Über die Unverbindlichkeit – oder die Ode an das Commitment

Ich fange erstmal mit dem Wort „commitment“ an, was ich am liebsten auf Englisch nutze, da es im deutschen mehrere Bedeutungen hat und es sich irgendwie nicht richtig übersetzen lässt. Es steht für Verpflichtung, Engagement, Bindung, Festlegung, Verbundenheit, Einsatz, Bekenntnis, Hingabe, Verantwortung, Verbindlichkeit, Zusage…

Pure Magie… ich feiere diese Eigenschaften. Denn Verbindlichkeit setzt Ehrlichkeit voraus. Oder wie es Peter Cerwenka gesagt hat: „Der Aufbruch zur Wahrheit erfordert den Abschied von der Unverbindlichkeit“. Denn erst wenn wir uns committen, uns hingeben, verpflichten, festlegen – sei es einer Sache, uns selbst oder einer Person – erst dann kann Tiefe entstehen. Erst dann übernehmen wir Verantwortung und geben Gegebenheiten, Menschen, uns selbst eine wahre Chance. Dann kommen Vertrauen, Treue, Masken fallen lassen, Wahrhaftigkeit, Verletzbarkeit, Leidenschaft, Herzlichkeit, Intimität, Authentizität, Lebendigkeit… auf und vertiefen sich. Hier lassen wir uns von Liebe und Mitgefühl leiten. Schaut euch Menschen an, die sich vollkommen commited haben zu einer bestimmten Sportart, Instrument, Tätigkeit, einem anderen Menschen – wenn sie darüber sprechen, die Tätigkeit ausführen oder den Menschen sehen… Diese Leidenschaft, die Begeisterung, das Ur-Vertrauen, das Wachstum über sich hinaus, die Freude, das Leiden, die Liebe… für mich absolut bezaubernd und inspirierend.

Die Unverbindlichkeit wird oft mit individueller Freiheit verwechselt und für mich persönlich ist es regelrecht lediglich armse(e)lig. Schliesslich bedeutet Unverbindlichkeit dass du den schönen Schein wahrst, statt dich ungeschminkt zu zeigen. Und da sowas kaum einer langfristig durchhält, springst du immer weiter sobald es kritisch wird, und fängst immer wieder von vorne an, statt dich ernsthaft mit deinem eigenen Wertesystem auseinanderzusetzen. Hier herrschen Angst und Egoismus. Zwischenmenschliche Unverbindlichkeit ist ja sowas wie, solange es uns in den Kram passt und weder einengt noch allzu anstrengend wird. Du holst das Maximum für dich selbst heraus was du gerade brauchst und willst, ohne das Risiko zu tragen verletzt zu werden. Nur weil es ganz ohne Nähe irgendwie auch nicht geht, versuchst du halbe Sachen. Du gibst dich der Illusion hin, alles tun und lassen zu können sei Freiheit. Du hast „fun“ und keine Freude. Du sagst „vielleicht“ statt einem „ja“ was aus dem Herzen kommt. Es geht um Ego-boost, Gefühlstaubheit, keine Verpflichtungen, Oberflächlichkeit, rumgeeiere, Halbherzigkeit…

Die Sache mit der Unverbindlichkeit ist, dass sie eigentlich ein „weg von“ ist, im Gegensatz zu einem bewussten „hin zu“. Wenn dein Leben auf Vermeidung basiert, und du ständig auf der Flucht vor dir selbst, den Gegebenheiten, Gefühlen, Menschen, Umständen bist, kann es ja auf Dauer nicht zu Freude, Erfüllung, Herzlichkeit und Liebe führen. Bis zu dem Punkt, bis du anfängst dich zu fragen was du eigentlich willst… und dich dem „hin zu“ begibst. Nur hier gibt es nichts als pures commitment.

Aber hey, wenn’s „glücklich“ macht… jedem das seine. Ich erwische mich selbst dabei, mal unverbindlich zu bleiben und sprunghaft zu sein. Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Und vor allem, wir lernen, nicht wahr..? Das Leben ist zu kurz um herumzudümpeln, zu verkopfen, in Situationen stecken zu bleiben die zu nichts führen, einen keine Freude bereiten, kein Lächeln ins Gesicht zaubern, das Herz nicht aufblühen lassen…

Um das mit einem Satz aus einem wunderschönen spanischen Lied zu beenden: das Leben wird dir die Küsse geben, die du geben kannst! In diesem Sinne, gebt so viele Küsse ihr könnt!

Möge die Macht mit euch sein ❤

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3 Gedanken zu “Über die Unverbindlichkeit – oder die Ode an das Commitment

  1. Pingback: Blogparade: Eine Liebeserklärung an dich selbst #Selbstliebe – Inside-trip

  2. Wunderschön! Ja bitte, nicht „weg von“, sondern „hin zu“. Vor allem, weil es so toll ist, wenn man erstmal entdeckt, wie befreiend das Commitment ist; und dass es eher die ewige Unverbindlichkeit ist, die unfrei macht, weil man nie die Freiheit hat, irgendwo anzukommen. Danke dir für diesen wunderbaren Text!

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