Von Weltflucht und Lebensoffensive

Else Lasker-Schüler: Weltflucht

Ich will in das Grenzenlose
Zu mir zurück,
Schon blüht die Herbstzeitlose
Meiner Seele,
Vielleicht – ist’s schon zu spät zurück!
O, ich sterbe unter Euch!
Da Ihr mich erstickt mit Euch.
Fäden möchte ich um mich ziehn –
Wirrwarr endend!
Beirrend,
Euch verwirrend,
Um zu entfliehn
Meinwärts!

Kurz und knackig. Wunderschön. In „Euch“ kann hier viel hineininterpretiert werden. Es könnte die Welt an sich sein, die Gesellschaft, religiöse Institutionen, Industrien, Familie, Kollegen, das System, Freunde, Partner, sich selbst…

Dieses „Euch“, worauf wir Einfluss haben ist so unglaublich wichtig. Freunde, für die wir uns entscheiden. Der Partner, mit dem wir ein Stück vom Weg gehen. Menschen, mit denen wir Zeit verbringen. Kannst du einfach so sein wie du dich gerade fühlst? Kannst du offen deine Ansichten / Überzeugungen vertreten ohne der Meinung zu sein dich verstecken, schämen oder zurücknehmen zu müssen? Mit Menschen die die Authentizität bestärken und konstruktive Kritik als Bereicherung ansehen? In einem Umfeld wo du dich wohl fühlst, natürlich sein darfst, dich entfaltest…

Seien wir mal ehrlich. Wir alle stecken oft genug in Situationen auf die wir echt keine Lust haben und gerne etwas anderes machen würden. Wir alle müssen mit Menschen abhängen die uns auf den Keks gehen, mit denen wir sowas von nicht auf dem gleichen Level sind oder mit denen wir schlicht und einfach nichts anfangen können. Das alles kann ätzend werden und zu einem schönen Schlamassel ausarten. Und das ist auch gut so, denn hier kommt Mitgefühl, Toleranz, Respekt, Akzeptanz, Ego, Achtsamkeit,  Bewusstsein, Mensch sein… ins Spiel, und wir dürfen üben und wachsen…

Die Frage ist, wieso willst du dir das auch freiwillig antun wenn es nicht sein muss?

Ich hatte mich kürzlich mit Menschen in meiner Freizeit getroffen, die ich nett finde, aber wo sich super schnell herausgestellt hat, dass es beim nett blieb und wir eigentlich nichts gemeinsam haben. Ich war nicht so ganz da und habe gemerkt dass ich leicht angenervt bin, und die seltsame Energy meine sonst so gute Laune irgendwie runterzog weshalb ich mich relativ schnell ganz lieb verabschiedet habe. Denn die Menschen sind ja immer noch nett, keine Frage. Nur möchte ich ganz einfach nicht meine Zeit vergeuden und habe mich in dem Moment nach Stille gesehnt.

Es kostet viel Kraft inmitten „Euch“ zu sein und ganz ehrlich, und so ganz ohne masochistisch veranlagt zu sein. Privat, in meiner Freizeit treffe ich mich mit Menschen, mit denen wir gemeinsam Lust haben abzuhängen, uns auszutauschen oder ich verziehe mich mit einem Buch auf die Wiese oder mache was auch immer… Nur nicht gewolltes, absichtliches Leiden – wenn es nicht unvermeidlich ist 🙂

In diesem Sinne…

Möge die Macht mit euch sein ❤

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