Über Helden und Selbstverständlichkeit

Ich habe vor Kurzem einen Feuerwehreinsatz das erste Mal sozusagen hautnah erlebt. Es war bei meinen Nachbarn, die ganze Strasse war abgesperrt und es wimmelte nur von Feuerwehrleuten, Polizisten und sonstigen Helfern. Auch wir im Nachbarhaus wurden später vorsichtshalber evakuiert, da das Feuer sich nicht richtig unter Kontrolle bringen liess. Ich bekam kurz mal leichte Panik da ich nicht wusste was passiert und was ich tun soll, da auch bereits brennende Teile vom Dach herunterflogen und es richtig stark roch. Und dann dachte ich, dass sie schon wissen was sie tun und alles gut wird.

Da standen wir nun in unserem Eingang, bis alle versammelt waren um geschlossen mit den Feuerwehrmännern rauszugehen. Und da waren sie um uns herum am Arbeiten und plötzlich sah ich sie.

Gefühlte Tonnenschwere Anzüge… Gasmasken.. Gasflaschen… Schweres Schuhwerk… Übelst schwere Schläuche… Altbautreppen die sie auf- und ablaufen müssen… Feuer… Rauch… Idioten die Panik schieben (wir)… Müdigkeit… Als zwei in voller Montur gerade vom Nachbargebäude kamen und vor uns standen um durchzuatmen… Sie haben ihre Gasmasken abgenommen und diese Gesichter der Müdigkeit, wenn du einfach nicht mehr kannst. Es tat mir im Herzen weg. Und irgendwie wollte ich ihnen nur noch einen fetten Schokokuchen backen!

Ich war überwältigt. Diese Leistung die sie in dem Moment bringen müssen ohne wenn und aber. Auch wenn dein Körper nicht mehr kann. Wahre Helden. Das gilt übrigens nicht nur für Feuerwehrleute sondern auch für Polizisten in Einsätzen, Ärzte, Krankenpfleger, Sozialarbeiter etc… Berufe, die einem körperlich und seelisch unglaublich viel abverlangen, bei denen die Menschen einfach voll da sein müssen. In diesem Fall bleibe ich aber bei meiner Bewunderung für Feuerwehrleute.

Sie wussten was sie tun und halfen wo es ging obwohl sie einfach nur noch fertig waren nach einem ewigen Einsatz was um 5 Uhr morgens angefangen hat. Machten trotzdem blöde Witze, hatten gute Laune und gaben einem das Gefühl dass alles gut ist. Es war faszinierend und beeindruckend und ich war trotz allem so dankbar…

Dann hatte ich das erzählt… und es kam der Spruch: Naja, ist ja auch ihr Job!

Hmm.. ja. Ist es. Da hätte ich mir jetzt auch das ganze Gelaber ersparen können, wa. Und ich war einfach nur perplex. Für mich ist diese Selbstverstädlichkeit (ist ja auch ihr Job…), diese Gleichgültigkeit (dafür tranieren sie ja…) lediglich befremdlich.

Können Selbstverständlichkeit und Freude koexistieren?

Klar bin ich gesund und natürlich habe ich meinen Partner der xyz macht, meinen Job, Wohnung, Kontostand, Familie, Kinder, Freunde, Materielles, Urlaube…

Ist das alles wirklich so selbstverständlich? Was ist wenn du erkrankst? Morgen nicht mehr aufwachst? Deine Kinder nicht das tun was du erwartest? Dein Partner nicht wie üblich kocht und putzt? Du gekündigt wirst? Dein Haus abbrennt? Du alles verlierst? Reagierst du mir der selben Gleichgültigkeit? Wie kannst du eigentlich in dieser Selbstverständlichkeit deine Freude und Dankbarkeit zeigen?

An jenem Tag habe ich so viele Helden gesehen. Ja, die Feuerwehrleute die todesmutig das Feuer bekämpft haben. Die Leute vom Rettungsdienst, die Blutdruck gemessen haben und Menschen beruhigt haben. Die Rote Kreuz Dame, die Wasser verteilt hat. Eine Nachbarin von gegenüber, die den Feuerwehleuten Kaffee und Kekse in einem Korb gebracht hat. Die Menschen die für die „Evakuierten“ Essen verteilt haben. Die Sprecher, die die Personalien aufgenommen haben. Die Polizei, die alles unter Kontrolle und im Blickfeld hatte aussen herum. Die Gerüstbauer, die vor unserem Eingang schnell mal ein Gerüst aufgestellt haben wegen den eventuell herunterfliegenden Teilen. Alle, die den reibungslosen Ablauf möglich gemacht haben…

So viele Helden. Ständig. Überall. Immer. Jeder.

Für mich müssen Helden keine todesmutigen Aktionen starten. Der Mensch, der seinen Sitzplatz anbietet… jemanden über die Strasse hilft… eine Mutter die ihr Kind gesund pflegt… jemand irgendwie aushilft… Freude bereitet… ein Lächeln zaubert… Von Herzen spricht…

Also meiner Meinung nach können Selbstverständlichkeit, Gleichgültigkeit und Freude schwer koexistieren. Denn wenn ich die alltäglichen „kleinen“ Sachen apathisch hinnehme oder erst gar nicht beachte, worüber kann ich mich denn dann freuen?

Über das Selbstverständliche staunen nur die Narren und die Weisen – Jean Giono

In diesem Sinne, seid Narren, ihr Weisen 🙂

Möge die Macht mit euch sein ❤

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2 Gedanken zu “Über Helden und Selbstverständlichkeit

  1. Ich kenne das, manchmal gibt es Erlebnisse im Leben, die einen die Dinge wieder etwas anders und aus einem anderen Blickwinkel sehen lassen. Nur allzuoft wird so vieles als selbstverständlich genommen….
    Auch wir hatten vor Kurzem ein Erlebnis, dass uns aufgezeigt hat, dass sich in nur einer Sekunde das ganze Leben so drastisch verändern könnte und man die Gegenwart viel mehr wertschätzen sollte! Ich finde so einen Anstoß braucht man von Zeit zu Zeit, damit man sich wieder aufs Wesentliche besinnen kann (ich zumindest).

    Auch sehr schön zu lesen, dass die Menschen zusammengehalten
    Alles Liebe cao

    Gefällt 1 Person

    1. Genau, da stimme ich dir vollkommen zu! Ich dachte dass ich eigentlich gar nicht ganz so schlecht drin bin das mit dem Wertschätzen und so aber das hat mir gezeigt wie unglaublich viel Luft nach oben es hat – da war nur noch Demut und Dankbarkeit angesagt für die „Ohrfeige“ 🙂 Ich fand es in der Tat super wie alle so toll zusammengehalten und und trotz allem so lieb und hilfsbereit waren. Liebe Grüsse, Feraye

      Gefällt 1 Person

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