Soziales Irrenhaus oder Bewusstsein im Alltag

Es gibt unglaublich viele Artikel, (Super-Eso)Bücher, Workshops… so viel blaaaa… was ja auch toll ist. Ich trage ja auch absolut ungefragt meinen Teil zu dem ganzen blaaaa bei.

Was sich immer wieder herauskristallisiert sind vor allem die Kernaussagen: Geniesse den Moment! Lass endlich los! Lebe achtsam! Affirmiere dir dein (Ego)Leben schön! etc.pp. Wenn du dich damit beschäftigst, brauche ich dir nicht alles noch einmal vorzukauen.

Und ich frage mich… Wer erzählt mir das? Und LEBT das diese Person auch? Oder hängt der/diejenige mit den Gedanken im nächsten Monat wie er/sie die Miete zahlen soll oder an einer unsäglichen Partnerschaft und affirmiert sich mit schicken Weisheiten seine/ihre Spiritualität schön, so dass er/sie selbst das dadurch (er)lebt? Und was bringt uns das?

Ich habe einige Menschen getroffen, die viele Bücher darüber gelesen haben, offen für solche Themen sind, auf Workshops waren, sich wirklich (kopfmässig) damit auseinandersetzen, es so sehr versuchen und sich in irgendwelchen absolut fixen und limitierten Ideen und Lehren verlieren… Die sagen, ich bin ein „Freigeist“, ich bin bewusst, ich habe alles losgelassen, ich wurde (!) geheilt, ich bin achtsam, ich lebe in Akzeptanz, in Freude… Jetzt lass sie mal perfekte Situationen vom Leben erleben und mal sehen was passiert – im wirklichen Leben, im hier und jetzt und nicht in Blabla-Land!

Du verlierst den Job, deine Partnerschaft geht auseinander, deine Freundschaften brechen weg, du verlierst deine Wohnung, mit der Familie ist es nicht so, geliebte Menschen versterben, dein Umfeld versteht dich nicht und du sie auch nicht, nichts macht mehr Sinn. Alles was du kennst, was du gewohnt bist, ist weg!

WAS TUST DU? Wie reagierst du? Hast du wirklich losgelassen? Lebst du tatsächlich bewusst? Bist du ernsthaft geheilt? Lebst du wahrhaftig in Akzeptanz?

Oder drehst du gerade etwas durch, bist absolut überfordert und ratlos und willst nur noch losheulen und wegrennen und vom „bösen Traum“ aufwachen?

Es ist leicht zu reden, zu schreiben, alte Weisheiten zu wiederholen, nachzuquatschen… Traust du dich das auch umzusetzen? Es zu leben? Und zwar städig aufs Neue. Immer wieder. Nein, nicht irgenwo im Universum-Supermarkt, kurz im Urlaub, oder in deiner Vorstellung sondern im Alltag. Da wo du gerade bist, mit dem was du hast. Wenn du umgeben bist von Nörglern, griesgrämigen Menschen, Leute auf endloser Negativschleife, Neider, Egobratzen, absoluter Lebensunlust, Zeitverschwender, Energiefresser, Ignoranten, Klugscheissern, Faulen, Disziplinlosen, rein Genussgeilen…ich wünsche mir keinen weg – es ist eben sehr anstrengend auf Dauer und diese Geduld und das Verständnis zu entwickeln – puuuuh… (und natürlich auch von unglaublich vielen wundervollen Wesen, mit grösseren Herzen als das Universum). Wenn dein Job kein Spass macht, das Wetter nervt, die Bahn ständig ausfällt, deine Heizung im Winter nicht funktioniert, die Kollegen auf den Keks gehen, dein Schuh im Regen kaputt geht, du ne Stunde im Stau hängst, sie dein Strom über das Wochenende abstellen, die furchtbaren Zahnarzttermine nicht aufhören wollen, wenn du gefühlte tagelang in Warteschleifen wartest und wartest und wartest…

Schaffst du es genau hier und jetzt in diesem Irrenhaus was dich umgibt (ich wundere mich von Tag zu Tag mehr) die Ruhe zu bewahren? Zu vertrauen? Deinen inneren Frieden beizubehalten? Nicht abzudrehen? Die Kontrolle -welche wir eh nie haben oder je haben werden- endlich auch bewusst abzugeben? Nicht in die Negativschleife zu verfallen? Unbewusst zu werden? In alte Gewohnheiten zu verfallen? Schaffst du es all das und vieles mehr, was wir im Alltag erhalten, mit DANKBARKEIT anzunehmen und zu akzeptieren? Bewusst zu sein und zu bleiben? „Trotz allem“ (was dir gerade nicht in den Kram passt, weil DU es ja eh viel besser weisst wie es sein sollte…)

Es scheint mühelos zu sein, solche Situationen auf Reisen, oder eben in deinem nicht-Alltag hinzunehmen und damit umzugehen. Denn dann nehmen wir sie auf einmal als spannend wahr, und freuen uns über eine coole Geschichte, die wir erzählen können! Natürlich ist es ein krasses Abenteuer und viel toller und lustiger, wenn du in Nepal 200 km in 7 Stunden tuckerst, mit den besten Einheimischen, mit Hühnern unter deinem Sitz, leckerem Essen, ständigen lustigen Pinkelpausen, herzallerliebsten Menschen in einem atemberaubenden Land, wie wenn du 200 km in 7 Stunden von Berlin nach Celle fahren würdest. Wie durch ein Wunder ist es dann nur noch zum kotzen! 🙂

Die Veränderungen die ein Mensch durchmacht, an sich arbeitet, langsam bewusst wird, und sich auf den Weg einlässt… siehst du im Alltag. Wie du Situationen / Geschenke – mögen sie dir in dem Moment gefallen oder nicht- annimmst, mit ihnen umgehst. Genau dann, wenn du ohne Regenschirm im Regen losrennst und dir der Bus vor der Nase wegfährt und du noch mindestens 20 Minuten ohne Überdachung im Kalten, triefend durchnässt rumstehen musst um auf den nächsten zu warten – der hoffentlich auch kommt und nicht ausfällt…

Lass mal alles beiseite und frage dich immer wieder: Wofür entscheidest du dich? Taten oder quatschen? Liebe oder Angst? Vertrauen oder Pseudo-Kontrolle? Für das was IST oder für die Illusion? Für Dankbarkeit oder Trotz?

Der Miss-Wahlspruch „ich wünsche mir wirklich den Weltfrieden“ in allen Ehren, aber wir sollten erstmal unsere innere Welt in Frieden bringen damit die äussere Welt auch Frieden erleben kann.

Möge die Macht mit euch sein ❤

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5 Gedanken zu “Soziales Irrenhaus oder Bewusstsein im Alltag

  1. preusstalk

    Eine Herausforderung in meinem Leben war, dass ich eine Frau kennen lernen durfte. Eine junge Liebe! Diesen kostbaren Schatz. jagte ich mit all meiner Unachtsamkeit davon.

    Wenn ich nur einmal das sagen kann, dass ich wirklich empfinde! Feraye, es tut mir wahnsinnig LEID!

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  2. Der Februar war für mich auch ein schwieriges Monat, wo man eben genau zeigen musste, dass man das auch im Alltag lebt, was man theoretisch weiß. Ich glaube es kommt davon, dass es das Ende (im Tibet)/der Anfang (in Europa) des Jahres ist, und man wirklich alle Ergebnisse eigener Taten im letzten Jahr zu spüren bekommt und jetzt mit ihnen fertig werden muss.

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    1. … das ist echt eine Herausforderung, und Übung macht den Meister, oder? 🙂 Das kann auf jeden Fall sein mit Anfang und Ende, ein endloser Kreis! Ich hoffe dass du dein Wissen auch umsetzen konntest und weiterhin kannst!! Liebe Grüße und viel Kraft, Feraye

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