Kult, Sehnsucht nach sich und einer Gemeinschaft und die Frage: Wie konnte ich bloss?

Ich habe mir heute die Holy Hell Doku angeschaut, bei der es um die Buddhafield Gemeinschaft geht, die viele Menschen über 20 Jahre lang vereint hat und sich für die meisten Mitglieder lange Zeit im Nachhinein als Kult herausgestellt hat.

Google sagt zu Kult: „(übertrieben) verehrungsvolle, unkritische Haltung gegenüber einer Person oder Sache.“

Es hat relativ nett und „normal“ angefangen. Es waren Menschen zu sehen, die Freiheit anstrebten, Fragen stellten, nach einem Sinn suchten, ihre Spiritualität entdeckten, mehr wollten als arbeiten-abbezahlen-sterben, singend und tanzend über Liebe sprachen, glücklich aussahen, ausgelassen waren… So stelle ich mir  die 70er vor, die Hippie Kommunen, Peace and Love Bewegung etc. 🙂

Nur wurde es mit der Zeit „erdrückend“ und von aussen und im Nachhinein sehen wir ganz klar die seltsamen, offensichtlichen Zeichen dass da etwas gewaltig nicht stimmt und ich fange an mir währenddessen die Frage ‚wie konnten sie nur…‘ zu stellen und stoppe sofort den (arroganten und klugscheisserischen) Gedanken und denke mir: was macht mich so sicher dass ich nicht auf so etwas oder jemanden reinfallen könnte/würde?? Wie oft hören wir Menschen sagen: wie konnte ich bloss darauf reinfallen? Wie konnte MIR so etwas passieren? Wie konnte ich das nicht sehen?

Es passiert eben. Wenn es passieren soll. Du fällst darauf rein. Wenn es so sein soll. Und dann siehst du vielleicht die mitleidigen Egobratzen Blicke und hörst Sprüche wie: also MIR würde sowas nicht passieren. Doch würde es. Wenn es denn sein soll. Niemand ist vor solch einer Erfahrung geschützt, wenn die Person genau das erfahren soll – auch du nicht. Autsch!

Diesen Satz „wie konnte es soweit kommen“ habe ich auch öfter in der Scientology Doku Going Clear gehört, ebenso in Kumare, bei dem sich eine ganz „normale Person“ als Guru ausgibt und Erfolg damit hat. Beides sehr empfehlenswert übrigens. Aber ich möchte keine Rezensionen schreiben.

Vielleicht waren/sind diese Menschen gerade in einer wackeligen Phase, bei der sie genau das brauchen. Eine Gemeinschaft. Zusammenhalt. Vertrauen. Eine (weise) Person, die sie führt, Strukturen vorgibt, „den Weg kennt“, ihnen hilft, sie akzeptiert, Antworten gibt, für sie da ist, sie versteht, ja… sie liebt…

Eigentlich all das und vieles mehr, bei dem wir selbst uns im Weg stehen es uns selbst zu geben, uns führen zu lassen, Antworten aus dem Inneren heraus zu erfahren, zu vertrauen, zu lieben, uns hinzugeben zu allem was war, was ist und was sein möge …

Genau dann kommt eine Person. Erzählt dir genau das was du gerade hören möchtest. Gibt dir genau das Gefühl was du so vermisst zu fühlen. Es fühlt sich an wie eine Offenbarung. Und du würdest alles geben um das zu beschützen. Nicht weil du dich dieser Person absolut hingibst, sondern für das was diese Person in dir auslöst, für dich tut oder für dich darstellt. Auch wenn Sachen passieren die sich nicht so toll anfühlen. Auch wenn du oft nicht so ganz überzeugt bist und es komisch findest… Du beschützt es weiterhin… Ups, herzlich Willkommen im Kult!

Bei meinem längeren Vipassana Retreat bei den Theravada Mönchen mochte ich den Master sehr gerne. Ein wunderbarer, brillanter, herzlicher, super lustiger Mensch! Obwohl jeder natürlich sehr viel Respekt gegenüber dem Lehrer hat, hat er selbst gesagt, dass er weder über jemanden steht, noch weiser ist, noch wichtiger noch sonst etwas. Ja, er ist Lehrer. Aber er zeigt lediglich die Tür. Ob jemand ewig davor stehen bleibt und keine Tür sieht, ob jemand die Tür sieht und sie nicht sehen will, ob jemand mal kurz in den Türspalt spickt und wieder umkehrt, ob jemand durchgehen will… das liegt an jedem selbst. Das hat absolut nichts mit ihm zu tun, und es ist nicht seine Aufgabe die Menschen da durchzuscheuchen. Daher hat er den Hof gefegt wie alle anderen und hat sich am meisten von allen kaputt gelacht. Vor allem aber, hat er jedem Menschen dem er begegnet ist gedient. Es gab aber stets eine gewisse Distanz im Sinne von dass Lehrer nicht „verehrt“ werden (sollten). Oft hat er gar nichts gesagt ausser Impermanence, Accept, Let go… und er hat nur gelacht und dir irgendwie Kraft gegeben. Erst wenn von innen heraus Einsichten kamen, hat er darüber gesprochen und ist darauf eingegangen… Es hat sich für mich einfach nur wunderbar angefühlt und ich habe jeden Tag unheimlich gelitten und war ebenso in tiefster Freude… was wäre das Leben ohne suffering??

Was ich damit sagen will… Für mich persönlich, nach dem zu urteilen / zu vergleichen was ich bis jetzt erfahren durfte, ist ein Master kein Wunscherfüller, es-dir-gemütlich-und-einfach-macher, keine Antwortenmaschine, quick und easy zur Erleuchtung bringer… Es ist eher ein Wegweiser um deinen eigenen Weg zu finden. Einer, der dir ein paar Tools gibt, dich deine eigenen Erfahrungen machen lässt, dich unterstützt wenn du dies brauchen solltest… Einer, dem es um deine Entwicklung geht und nicht um sein eigenes Ego in irgendeiner seltsamen Art und Weise zu befriedigen. Jeder kann dein Master sein, nur für einen Moment oder für ein Leben lang.

Es ist ein wichtiges Thema und auch damit sollten wir uns mal beschäftigen. Denn auch wenn unser Ego denkt dass wir doch schon sooo weit sind, bereits so viele Stunden meditiert haben und die Erleuchtung praktisch zum greifen nahe ist, wir sicherlich noch ganz am Anfang vom Weg stehen und erstmal Babyschritte unternommen haben…

Was immer ist, verliere nie deinen Instinkt. Verlasse dich stets auf dein Gefühl. Wenn sich etwas nicht so gut anfühlt, dann ist es das auch nicht – verlasse dich darauf. Vertraue.

Möge die Macht mit euch sein ❤

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2 Gedanken zu “Kult, Sehnsucht nach sich und einer Gemeinschaft und die Frage: Wie konnte ich bloss?

  1. Ich stimme dir sowas von zu! Soweit ich weiß – was nicht viel ist – ist die Buddhafield-Gemeinschaft im Dunstkreis von Triratna entstanden, daher werde ich mir die Doku sicher ansehen! Vielen Dank für deinen Beitrag.
    MfG toe

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    1. 🙂 Oh das wusste ich nicht! Es ist sehr schade zu sehen, dass so wunderbare Grundgedanken, dermassen negativ ausgenutzt werden und die anderen Konzepte auch gleich mit in den „Dreck“ ziehen. Aber auch das lässt sich offensichtlich nicht vermeiden. Ich bin gespannt was du davon hälst. LG, Feraye

      Gefällt 1 Person

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