Schizophrenie des Alltags

Aus einem Gespräch.

Minute 20:

… ich möchte einen Partner der mich liebt, mit mir sein Leben teilen möchte… einen der ehrlich ist, dem ich vertrauen kann… der mit mir einen Kompromiss eingeht… mit mir zusammenleben möchte… später heiraten und Kinder… Das ist doch nicht zuviel verlangt!

Minute 35:

Oh, der sieht aber toll aus! Gehen wir doch mit denen was trinken! Auf die Anmerkung, dass sie gar nicht so der Knaller sind, und es gerade überhaupt nicht prickelnd ist, kommt: ach, es soll ja nicht gleich zum heiraten sein, man kann doch Spass haben!

Hmmm…

Was soll ich sagen?

Das ist das gleiche wenn jemand sagt: ich will mich gesund ernähren und auf mich achten, während er sich einen Burger reinzieht.

Oder: ich will mir einen anderen Job suchen weil ich meinen Job nicht leiden kann und unglücklich bin… und das seit vielen Jahren in Endlosschleife ohne was zu tun.

Oder wenn du dich mehr bewegen willst und dich mystischerweise ständig auf der Rolltreppe oder im Fahrstuhl befindest anstatt auf den Treppen bewegend.

Oder wenn du abspecken willst und deine Portionen sich auf wundersamerweise Weise vergrössern und zuckerhaltiger werden.

Im Alltag wollen wir so viele schöne, tolle, positive Sachen für uns und im besten Fall auch für unsere Mitmenschen. Nur scheint da ein geheimnisvolles schwarzes Loch zu sein, zwischen Wunsch und Tat. Und du leidest plötzlich an Spontan-Alzheimer.

Was ist da los? Wollen wir es nicht genug? Oder wollen wir das eigentlich gar nicht, was wir von uns geben und sagen das nur um uns besser zu fühlen oder uns besser darzustellen? Wegen dem Gesellschaftsdruck (sich ständig verbessern, aktuellen Trends folgen zu müssen)? Ist es Faulheit? Bequemlichkeit? Unbewusstheit? Unachtsamkeit? Gleichgültigkeit?

Für mich ist es ok wenn ich ab und an eben auf der Rolltreppe stehe oder mir mal Zuckerzeug reinhaue, oder mal ein Weinchen trinke weil mir danach ist. Das mache ich dann bewusst, geniesse es und freue mich, weil es auch toll ist so unverschämt faul und Genussorientiert zu sein 🙂 Aber das ist eben ab und an mal in meinem Fall, und auch ‚Kleinigkeiten‘.

Was ich beobachten kann ist, dass Menschen sich oft sozusagen unter Wert verkaufen. Sich mit Situationen oder Menschen abfinden, so viele Kompromisse eingehen, dass sie gar nicht ihr Leben leben, sondern irgendeins, um Teil von irgendwas zu sein. Todunglücklich, aber ’normal‘ und konform. Das fängt im Alltag mit den oben genannten Beispielen an und zieht sich wie ein roter Faden durchs Leben. Ehe du dich versiehst, passieren dann solche Sachen wie der ätzende Seelenfresser Job, die sinnfreie Partnerschaft, Sachen, Kredite, Materielles an denen man seine Seele verkauft hat… Ein Teufelskreis. Leiden.

Du bist deine Entscheidungen die du triffst. Mach dir bewusst was du willst, und vor allem handle dementsprechend. Je mehr wir das mit Kleinigkeiten im Alltag immer wieder aufs Neue üben, desto mehr Selbstliebe und Freude entwickeln wir dadurch. Dann erscheint das auch nicht mehr furchtbar lästig, sondern absolut natürlich. Und je mehr wir dies üben, desto weniger Kompromisse können wir auch in den ‚grossen‘ Dingen eingehen, die nicht mit uns vereinbar sind. Denn dann sind sinnlose Annäherungen, Partnerschaften, Freunde, Jobs, Verhalten, Gewohnheiten, Umgebung etc. einfach nicht mehr in Einklang und vor allem nicht akzeptabel.

Und die Zeit reift zum Loslassen damit sich der freie Platz mit LIEBE und SEIN füllen kann.

Viel Freude beim üben! 🙂

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4 Gedanken zu “Schizophrenie des Alltags

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