Stigmatisierung – mein Weltbild und ich. Ich und meine Schubladen.

Definition lt. dieser Seite:
„Als Stigmatisierung wird unter anderem eine Zuschreibung negativer Eigenschaften bezeichnet, die bei den Betroffenen zu einer Diskriminierung führt …so wird z. B. eine Person stigmatisiert, wenn man sie als Vorbestraften, Hartz-IV-Empfänger usw. bezeichnet …beim sozialen Stigma wird ausgegangen von einer Normalität, von der abgewichen wird …beispiele für soziale Stigmen waren oder sind Obdachlosigkeit, körperliche oder geistige Behinderungen, psychische Störungen, aber auch die sexuelle Orientierung oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nationalität oder Volksgruppe…“

Unser Verstand ist gefangen in Kategoriesirungen um die Aussenwelt zu ordnen, für uns verständlich und vor allem akzeptabel zu machen, damit wir beruhigt sein können, dass alles im Lot ist und wir die „Kontrolle haben“! Somit sind wir permanent meist unbewusst dabei zu urteilen und unsere Umgebung in Schubladen zu stecken, wo sie meist nicht mehr rauskommen. Es scheint dass, wenn man die Schublade erstmal befüllt, beschriftet und zugemacht hat, gleichzeitig den Schlüssel dazu verliert. Sie sind dann dazu verdammt darin zu verweilen, die Armen! Und wehe du klopfst von innen an und willst da raus…

Das sollte anders sein! Das ist falsch! Wie läuft der/die denn rum? Der/die ist nur zu faul zum Arbeiten und ist ein Schmarotzer! Das Wetter ist blöd. Der/die wirft sein Leben weg! Wie kann der/die SO leben? Die sollen alle wieder zurück wo sie herkommen sind! Was, bist du jetzt ein Hippie? Wie du trinkst kein Alkohol?? Jeder muss eine ordentliche Ausbildung und Karriere machen! Wegen Leuten wie DENEN stecke ich im Schlamassel! Der/die ist nur zu schwach! Waaaas du isst kein Fleisch mehr? Was willst du von DENEN erwarten? Was, du redest mit DEM? Hübsch, hässlich, zu dick, zu blöd, gut, schlecht, normal, den sollte man einweisen…

…es ist unendlich und unaufhörlich! Ich brauche nicht dazu zu sagen, dass ich einiges davon und vieles mehr selbst gehört habe. Na, bin ich gut, oder bin ich gut?! 🙂 Wie anstrengend wir doch sind. Und wir sind es uns noch nicht mal bewusst. Das machen wir nicht nur mit unserer Umgebung, Situationen und Menschen, sondern ja auch mit uns selbst! Krank.

Ich schreibe das immer wieder hier… wer hat „normal“, „gut“, „schlecht“ festgelegt?

Wieso müssen wir das, was für uns „richtig“ ist, allen aufpressen? Vielleicht ist das, was sich für mich toll anfühlt für dich ein Albtraum, und das was für dich toll ist mein persönlicher Horror. Wieso können wir nicht jeden einfach so lassen und annehmen was er wie denkt, handelt, anzieht, isst, trinkt, lebt…ohne direkt unser Urteilsspruch kundzugeben? Was sind wir und welches Recht nehmen wir uns heraus? Fühlst du dich so vollkommen, erleuchtet und mit so viel Weisheit gesegnet dass du alles und jeden um dich herum direkt (ver)urteilen / berichtigen musst, weil deine Umgebung ja so armselig, dumm und verloren ist, ohne deine Massstäbe die DU gesetzt hast oder schlimmer, die du von anderen aufgesetzt bekommen hast und diese hinnimmst, zu erfahren?

Ist ein Obdachloser direkt faul, dumm und ein schlechter Mensch? Ist ein Arbeitsloser / „Aussteiger“ direkt selbst Schuld, ein Schmarotzer, ein Egoist? Bin ich schwach weil ich liebe und meine Liebe zeige? Ist jemand ein Verlierer wenn er, keine Karriere macht sondern wie ein „Hippie“ rumrennt, Birkenstock trägt und auf sich, seine Gefühle und Umwelt achtet? Ist ein Mann nur deswegen schlecht weil er Männer liebt? Ist eine Frau „arm dran“ oder unverantwortlich wenn sie keine Kinder möchte? …

Und was ist wenn dein 0815 DIN genormtes Leben in der absoluten Normalität – so wie es sein muss und „normal“ ist – mit Wohnung, Auto, Haustier, geregeltem Job, einer Tauschgeschäft-Partnerschaft mit Aussicht auf Hauskauf und Kind nach den ausgehandelten Fernreisen, Fitnessstudiovertrag, Glücklichsein durch Konsum, wöchentlichen Treffs mit den Menschen von schon immer, in Stammlokalen, vorgeplanten und durchorganisierten „spontanen“ Trips – oberflächlich, konsumgesteuert mitten in der Komfortzone mit Drang zur Anpassungsfähigkeit mich in blanke Panik versetzt und für mich gleichzusetzen ist mit dem Tod meiner Seele?  Aber wenn dich das glücklich macht, finde ich das super für dich.

Schon mal darüber nachgedacht, dass jeder über den du urteilst, evtl. über dich auf die gleiche Art und Weise urteilt und DICH vielleicht absolut langweilig, gestört, zu blöd, hässlich, konservativ etc. findet und nicht begreifen kann wie DU so leben kannst und dein Leben so wegwerfen kannst?

Leben und leben lassen ist schön, wir sind alle gleich und die Welt strahlt in Vielfalt!

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3 Gedanken zu “Stigmatisierung – mein Weltbild und ich. Ich und meine Schubladen.

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